Hans Haacke legt die Mechanismen von Machtstrukturen offen

Der Goslarer Kaiserring 2020 geht an den deutschen Konzeptkünstler

Hans Haacke
Gift Horse, 2014

Goslar. Hans Haacke erhält den Goslarer Kaiserring des Jahres 2020, einen der renommiertesten Kunstpreise der Gegenwart. Das gab Goslars Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk heute beim traditionellen Neujahrsempfang in der Goslarer Kaiserpfalz bekannt. Der deutsche Konzeptkünstler gilt als Vorreiter einer aktivistischen, politisch wachen Kunst und wurde erst kürzlich vom Kunstmagazin „Monopol“ zur aktuell einflussreichsten Persönlichkeit der Kunstwelt gekürt. Der Preisträger freut sich über die Auszeichnung und verknüpft bereits einige Erinnerungen mit dem Kaiserring. 1959 habe er als Kunststudent auf der Baustelle der Documenta II in Kassel eine Skulptur von Henry Moore fotografiert, der 16 Jahre später den ersten Kaiserring erhielt. „In meinen alten Tagen amüsieren mich solche Dinge“, erklärt Hans Haacke heute. „Im vergangenen November hatte ich das Vergnügen, in Goslar zu sehen, wie Barbara Kruger in der Stadt der Kaiserpfalz geehrt worden war. Sie ist eine von mir hochgeschätzte Mitstreiterin.“ Hans Haacke wird den Kaiserring am 26. September 2020 in Goslar entgegennehmen.

In ihrer Begründung schreibt die Kaiserring-Jury: „Hans Haacke legt in seinem Werk von Beginn an die Mechanismen von Machtstrukturen und Abhängigkeitsverhältnissen in der Gesellschaft und somit auch in der Kunst offen. Wobei Gesellschaft für ihn nicht nur aus Menschen bestand, sondern auch aus Möwen und Pflanzen. Die verhängnisvollen ideologischen Verschränkungen von Nationalität, Klasse, Ethnie werden in seinen Arbeiten in ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz und eleganten Oberflächlichkeit auf verstörende Weise sichtbar, der Weg des Kapitals in seiner globalen Dominanz unleugbar.“

Self Portrait, Hans Haacke.
© Hans Haacke

Hans Haacke
Hans Haacke (*1936 in Köln) lebt und arbeitet in New York. Er verbindet seine künstlerische Praxis stets mit einer kritischen, investigativen Arbeit in den Bereichen Kunst, Ökonomie, Politik und Gesellschaft. Im besten, streitbarsten Sinne setzt er sich immer wieder für eine demokratische Gesellschaft ein, indem er mit seinen Werken Strukturen, Vorgänge und Haltungen offenlegt. Er hatte zahlreiche Einzelausstellungen in renommierten Institutionen wie der Akademie der Künste in Berlin (2006), dem Centre Georges Pompidou in Paris (1989), der Tate Gallery London oder dem New Museum of Contemporary Art in New York (beide 1984) und nahm an so wegweisenden Ausstellungen wie Harald Szeemanns Live in Your Head: When Attitudes Become Form, 1969 teil. Hans Haacke war vier Mal bei den Documenta-Ausstellungen und zwei Mal bei den Skulpturprojekten in Münster vertreten. Für das Reichstagsgebäude in Berlin konzipierte er die Installation Der Bevölkerung, die 2000 eröffnet wurde. Im Jahr 1993 erhielt er für seinen Beitrag im Deutschen Pavillon der Biennale in Venedig den Goldenen Löwen. 1991 wurde er von der College Art Association in New York für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Kaiserring Goslar
Der Goslarer Kaiserring ist einer der weltweit renommiertesten Preise für moderne Kunst. Er wird seit 1975 verliehen. Die ersten Preisträger waren Henry Moore, Max Ernst und Alexander Calder. Ihnen folgten Pioniere der Gegenwartskunst wie Joseph Beuys, Gerhard Richter, Nam June Paik, Christo, Cindy Sherman oder Jenny Holzer. Vor Hans Haacke erhielten in den letzten Jahren unter anderem Andreas Gursky, Bridget Riley, David Lynch, Olafur Eliasson, Wolfgang Tillmans und zuletzt Barbara Kruger den Preis.

Kontakt:
Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten des Mönchehaus Museums (www.moenchehaus.de) und der Stadt Goslar (www.goslar.de).